Texte

Im Folgenden finden Sie weiterführende, vertiefende und inspirierende Texte.

WIR ZERPRÜFEN UNS 

Warum wir eine neue, am Menschen orientierte Kultur des Prüfens brauchen

Überwachungsaudit! Irgendeiner, der während der Teambesprechung nicht schnell genug Nein sagen konnte, kriegt den Job, auch wenn er keine Zeit hat. Der Auditor kommt und nun müssen in Windeseile alle Ordner aktualisiert und aufgehübscht werden, sodass die erforderlichen Nachweise vorhanden und alle Dokumente auf Vordermann gebracht sind. Für drei nicht enden wollende Tage steht der Betrieb Kopf und alle sind wie im Fieber, um das nachzudokumentieren, was das Jahr über keine Rolle spielte. Warum auch? Für die tatsächlichen Abläufe ist es ohne Relevanz. Aber am Tag x, wenn der Prüfer kommt, dann muss letzterer mit unnützen Schreibkram gefüttert werden, denn er lebt davon. Als der Herr von der Überwachungsstelle dann in der Tür steht, sieht er gar nicht so unsympathisch aus wie erwartet, auch wenn seine Mundwinkel die ganze Zeit tendenziell gegen unten zeigen. Doch auch er trinkt Kaffee und zwar mit Milch und alle sind froh, auch die Tassen noch geputzt, vorsorglich alle offenen Jogurts jenseits des Verfallsdatums entsorgt und einen letzten Blick auf die Brandschutzmelder geworfen zu haben. Die Röcke sind knielang und ein gebügeltes Hemd wird geopfert. Das ist es wert, damit die eigentliche Prüfung schmerzfrei bleiben möge. Doch wahrscheinlich hat der Prüfer gar nicht gesehen, dass alle aufgeräumter aussehen als sonst. Denn er interessiert sich nicht für die Wirklichkeit. Groß Zeit den Blick zu heben – bis auf die Feuerlöscher versteht sich! – hat er nicht. Mit strategischer Geste öffnet er den Dokumentenschrank als wäre er der seine (ist er ja eigentlich fast auch). …

Dokumentationsdrachen und Prüfhydra
So oder je nach Größe der Einrichtung oder des Unternehmens auch ein wenig anders mag es zugehen, wenn der Prüfer sich ankündigt. Zumindest hat man es mir so geschildert. Prüfer kommen, wenn sich eine Institution freiwillig oder gesetzlich verpflichtet gewählte oder vorgegebene Anforderungen zu erfüllen. … Weiter: Wir zerprüfen uns

Die Komplexitätsdimensionen und ihre Unterscheidungen

Vor dem Hintergrund der Systemtheorie lassen sich drei Stufen der Varietät in Systemen bezüglich ihrer Komplexität unterscheiden. Die Prinzipien ihrer Steuerung bewegen sich zwischen den beschriebenen Polen von Versklavung und Selbstorganisation. Dabei wird offensichtlich:
Je komplexer die Systeme werden, desto höher ist der Grad der Selbstorganisation bei der Entwicklung von Ordnungsparametern. Und: Die Kontrollparameter müssen gemeinsam vereinbart und von jedem einzelnen Menschen selbstverantwortlich und werteorientiert umgesetzt werden. … mehr: Der theoretischern Hintergrund!

Wie wird Beziehungsqualität messbar?

Wenn Sie eine einfache Antwort auf diese Aussage erwarten, wie etwa, man könne die Beziehungsqualität in Altenheimen anhand von Noten oder Sternchen erkennen, dann wird dieses Kapitel Sie enttäuschen. Ich hoffe jedoch, dass es Ihnen hilft, das Verantwortungsgefüge, das mit dieser Thematik zusammenhängt, zu verstehen.
In diesem Kapitel gehen wir in zwei Schritten vor: Im ersten Schritt wird die Bedeutung der Frage „Wie wird Beziehungsqualität in der Altenhilfe messbar?“ eingehend untersucht. Im zweiten Schritt werden die Bereiche, Indikatoren und Kriterien benannt, die sich im Praxis.Projekt Lebens.Wert aus der Literaturrecherche sowie der Evaluationen in der Phase I ergeben haben. Sie werden anhand der Vielzahl und Komplexität erkennen, dass wir diejenigen mit der Vorstellung, wir könnten Beziehungsqualität mit einem einfachen Instrument und schon gar von außen erheben, enttäuschen müssen. Will man die Komplexität dieser Qualitätsdimension achten, öffnet sich ein völlig neuer Möglichkeitsraum. Und dieser bedeutet, dass Sie in Ihrer Einrichtung mittels Ihres Qualitätsmanagements selbst kompetent werden, die Qualität der spezifischen Beziehungen innerhalb der fünf von uns identifizierten Gestaltungsfelder zu „messen“. Mehr …Was es braucht, um Beziehungsqualität messbar zu machen

(K)ein Märchen

 frei variiert über Motiven von Hans-Christian Andersen

Es lebte einmal ein Kaiser, dessen Leidenschaft waren nicht die Jagd oder die Frauen, Gold oder Gärten; nein, seine Liebe galt dem Messen und Wiegen, dem Analysieren und Zerlegen. So verwandt er all seine freie Zeit darauf, die Welt in kleinste Teilchen zu teilen und diese in Zahlen und mathematischen Ordnung abzubilden. Wenn er zur Jagd ging, dann um die Dichte der Steine und ihre chemischen Zusammensetzungen zu bestimmen, um die Höhe der Pflanzen und den Umfang der Bäume zu notieren, um die Zusammensetzung des Bodens zu bestimmen und die Nachkommen der Tiere zu zählen, ja sogar um ihre Geschwindigkeit und die Weite ihrer Sprünge zu berechnen. Seine Sorge um das Wohl seines Reiches fand bevorzugt in der Veröffentlichung von Ergebnissen neusten Messungen Ausdruck.

Eines Tages kündigte ein Bote zwei Forscher an. Von ihnen hieß es, dass sie die Fähigkeit besäßen mit ihren Instrumenten die Qualität des Lebens zu messen. … (K)ein Märchen

Mut zum Neubeginn in der PTV-Reform
Statt Pflegenot(en) endlich Alterskultur entwickeln!

Ziel der Studie ist es, die aktuelle Situation der „Pflegetransparenz“ in der Bundesrepublik
Deutschland komprimiert darzustellen. Dabei sollen insbesondere weitgehend
übersehene Wechselwirkungen zwischen der Systematik von Qualitäts-
Prüfsystemen einerseits und der Komplexität einer Pflege- und Alterskultur andererseits
aufgezeigt werden.
Die Kurzstudie möchte Sie ermutigen, in sich selbst ein Bild über die Sinnhaftigkeit
von Transparenzinitiativen entstehen zu lassen, es persönlich als schlüssig, nachvollziehbar,
kongruent und unter Kosten-Nutzenaspekten für verantwortbar einzuschätzen.
In der anstehenden Debatte um die Zukunft des „Pflege-TÜV“ und der PTV ist persönliche
Verantwortung gefragt. Genauso ist und bleibt es die persönliche Verantwortung
jedes einzelnen Menschen, sich selbst ein Urteil über die Qualität von Einrichtungen
der Altenhilfe zu bilden.
Diese Kurzstudie beleuchtet insbesondere den PTV-Ansatz kritisch, Transparenz
über (Schul-) „Noten“ zu erzeugen, und zwar von zwei Seiten:
1. Über eine kurze Darstellung, wie die PTV zur Note kommt und was auf diesem
Weg passiert, zusammengefasst aus bekannten Argumenten zu zehn
Teilaspekten aus einschlägigen Studien, Gutachten und Stellungnahmen.
2. Die zweite Seite beleuchtet den allgemeinen Bedeutungshintergrund eines
Notensystems, das „alle aus ihrer eigenen Erfahrung kennen.“

Lesen Sie mehr: MutzumNeubeginn_Studie-Ackermann

Die Geschichte mit dem Barometer

Vor einiger Zeit rief mich ein Kollege an und bat mich, bei der Benotung einer Prüfungsfrage als Schiedsrichter zu fungieren. Offenbar wollte er einem Studenten null Punkte für dessen Beantwortung einer Frage in Physik geben; der Student seinerseits behauptete, er verdiene eigentlich die beste Note und würde sie auch bekommen, wenn das System nicht von vornherein gegen ihn wäre. … Die_Geschichte_mit_dem_Barometer